6. FESTIVAL GRAFISCHES ERZÄHLEN
Tag 3: Birgit Weyhe / Anke Feuchtenberger/ moki

Wann

8. März 2024    
19:00 - 23:00 Uhr

Wo

Palais Bellevue,
Schöne Aussicht 2, 34117 Kassel

Eintritt

FREI, um SPENDEN wird gebeten!

Die Comic Galerie ist mit einem Büchertisch vor Ort!


RUDE GIRL
Birgit Weyhe erzählt die Lebensgeschichte einer afro-amerikanischen Germanistin (19.00 Uhr)

In Zeiten der Globalisierung können wir uns überall hinbewegen, von überall arbeiten, überall leben – gesetzt den Fall, wir haben die passende Hautfarbe, ausreichend Bildung und am wichtigsten: den richtigen Pass. Im Rahmen eines Austauschprogramms unterrichtete die weiße Birgit Weyhe aus Deutschland an einem US-College. Während einer Tagung amerikanischer Germanisten im Mittleren Westen wird sie mit dem Vorwurf der kulturellen Aneignung konfrontiert. Nutzt sie ihre Privilegien als weiße Autorin aus, wenn sie Geschichten über Schwarze Menschen erzählt?

Sie lernt Priscilla Layne, eine afroamerikanische Germanistik-Professorin mit karibischen Wurzeln kennen. Sie ist ein „Oreo“: zu weiß für die Schwarzen Mitschülerinnen und Mitschüler und für die Weißen ist ihre Haut zu dunkel. Sie beschließt gegen alle und alles gleichzeitig zu rebellieren, indem sie sich in ihrer Jugend der Skinhead-Bewegung anschließt und zu einem „Rude Girl“ wird.

Foto: Vera Drebusch

Aber wie soll Birgit Weyhe eine Lebensgeschichte wie diese erzählen? Welche Fehler gilt es zu vermeiden? Das erzählerische Konstrukt selbst wird zu einer eigenen Erzählebene in dieser Biografie.

Birgit Weyhe (Jg. 1969) wurde in München geboren, verbrachte aber den Großteil ihrer Jugend in Ostafrika. Nach dem Abitur kehrte sie nach Europa zurück. Von 2002 bis 2008 studierte sie Illustration in Hamburg bei Anke Feuchtenberger. Ihre erste Graphic Novel „Ich weiß“ erschien 2008. Weiterhin erschienen: „German Calendar No December“ (2018), „Madgermanes“ (2016), „Im Himmel ist Jahrmarkt“ (2013), „Reigen“ (2011). 2022 wurde sie als „beste deutschsprachige Comic-Künstlerin“ in Erlangen mit dem Max und Moritz-Preis ausgezeichnet. „Rude Girl“ wurde als erster Comic für den Preis der Leipziger Buchmesse 2023 in der Kategorie Sachbuch nominiert.

www.birgit-weyhe.de


GENOSSIN KUCKUCK
Fantastisch autobiografisch – Anke Feuchtenbergers Opus Magnum (20.30 Uhr)

Kerstin kommt zu spät: Ihre Großmutter ist bereits beerdigt und das Fotoalbum, welches ihr versprochen wurde, ist nicht zu finden. Sie kommt nicht mehr weg aus der alten Dorfschule, in der ihre Großmutter Russischlehrerin war und in der sie aufwuchs. Kerstin wird von Effi heimgesucht, der sie noch die Einlösung eines Schwurs schuldig ist und Sternemann&Greiff, die – mit Rachegedanken ins Dorf zurückgekehrt – erfahren, wer sie damals wirklich ins Heim gebracht hat.

Es wird gefressen, sich vermehrt, zersetzt, geschlagen und Plasma gesungen. Niemand entkommt der rasenden Gewalt des veteranischen Wesens. Hermaphroditen, Kannibalen, Geschöpfe, die weder Tier noch Pflanze sind, gehen im Taumel der blütenlosen Hochzeit sofort in andere Formen des organischen Lebens über.

Foto: Wassily Zittel

„Genossin Kuckuck“ ist eine fantastische und zugleich autobiografische Bilderzählung, die den Bogen über eine Kindheit im Dorf Pritschitanow der 1960er Jahre bis zur Privatisierung von Volkseigentum in den 1990ern spannt. Anke Feuchtenberger hat über ein Jahrzehnt an dieser Geschichte gearbeitet.

Anke Feuchtenberger wurde 1963 in Berlin (DDR) geboren. Hier absolvierte sie von 1983 bis 1988 ein Grafikstudium an der Kunsthochschule, um im Anschluss als Freiberuflerin zu arbeiten. Sie entwirft Plakate und Illustrationen und beginnt Comics zu zeichnen. 1997 wurde sie als Professorin an die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg für Zeichnen und Grafische Erzählung berufen. Ihre Arbeiten wurden mit zahlreichen Veröffentlichungen und Ausstellungen international bekannt – ihre Comics in die französische, englische, italienische und chinesische Sprache übersetzt. 

www.ankefeuchtenberger.de


SUMPFLAND – KALEIDOSKOP – SPRING
moki erzählt von ihrer Arbeit in Comic und Illustration (22.00 Uhr)

moki, geboren 1982, ist eine Künstlerin, die sich neben der Malerei auch mit dem graphischen Erzählen beschäftigt. Bei Reprodukt sind drei Comics erschienen: „Wandering Ghost“, eine Coming-of-Age-Erzählung ohne Worte, „Sumpfland“ und „Kaleidoskop“ – ein Sammlung von Kurzgeschichten.

moki ist regelmäßig auch in Anthologien wie „Spring“ mit Beiträgen vertreten. Ihre Neigung zum unkonventionellen Erzählen zeigt sich etwa darin, dass sie klassische Panelformate auflöst und ihre Figuren im offenen Raum verortet. Häufig findet man in mokis Comics tierähnliche Protagonisten. Die Geschichten spielen vorwiegend in fantastisch-surrealen Landschaften, deren Abbildung sich über mehrere Seiten erstreckt. Auch verzichtet moki gern auf Sprache.

Neben zahlreichen nationalen und internationalen Einzelausstellungen, unter anderem in Barcelona, Kopenhagen, Prag, San Francisco und Los Angeles, war moki auch an einer Vielzahl von Gruppenausstellungen, unter anderem in China und Japan, beteiligt.

www.mioke.de

 


Unser Dank gilt den Förderern: Kulturamt der Stadt Kassel, Gerhard Fieseler Stiftung

 

 

 

 

 

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