7. FESTIVAL GRAFISCHES ERZÄHLEN
3. Abend: Tobi Dahmen / Birgit Weyhe / Simon Schwartz / Buchvorstellung: „Wie geht es dir?“
Simon SchwartzTobi Dahmen: Columbusstraße

Beginn: 18.00 Uhr
Comickünstler Tobi Dahmen, der bereits mit seinem Debüt „Fahrradmod“ 2017 anlässlich des 3. Festivals bei uns zu Gast war, spürt der Geschichte seiner Familie während der Nazi-Diktatur nach, zwischen Konformismus, Widerstand, Wehrmacht und Landverschickung „Columbusstraße“ ist ein Comicroman, der lange nachhallt. Ausgehend von Zeitzeugnissen seiner Familie zeichnet er in dieser Graphic Novel eine bewegende Chronik der deutschen Kriegsjahre, die weit über das Private hinausgeht. Im Spiegel seiner Familiengeschichte reflektiert er die deutsche Vergangenheit und Fragen nach politischer und persönlicher Verantwortung. Mit Feingefühl und akribischer Recherche gestaltet Dahmen ein Werk von emotionaler Tiefe und historischer Relevanz.
privatTobi Dahmen wuchs in Wesel am Rhein auf und studierte Visuelle Kommunikation in Düsseldorf. Sein Diplom machte er mit dem illustrierten Buch zu einem Text von Jack Kerouac. Seitdem arbeitet er als Comiczeichner und Illustrator. Tobi Dahmen wurde u.a. mit dem ICOM-Preis für den besten Kurzcomic und dem Red DotDesign Award ausgezeichet. Dahmen lebt im niederländischen Utrecht. www.tobidahmen.de/
Birgit Weyhe: Schweigen

Beginn: 19.00 Uhr
Als Folge von Diktatur und Unterdrückung wird in den meisten Ländern geschwiegen – was die Täter schützt und das Gedenken an die Opfer verblassen lässt. „Schweigen“ erinnert an zwei Frauen und ihre Schicksale. Zum einen Ellen Marx, die als 17-jährige deutsche Jüdin im Frühjahr 1939 nach Buenos Aires emigriert. Ellens gesamte Familie kommt im Holocaust um. In den 1970er Jahren wiederholt sich Ellens Diktaturerfahrung auf tragische Weise: Ihre Tochter Nora „verschwindet“ während der grausamen argentinischen Militärdiktatur. Ein weiteres verschwiegenes Opfer ist Elisabeth Käsemann: Sie gehört zur deutschen Nachkriegsgeneration, die sich innerhalb der Studentenbewegung politisiert. Ab 1969 studiert sie in Buenos Aires und engagiert sich in den Armenvierteln der Stadt. 1977 wird sie verhaftet, in ein Folterlager verschleppt und ermordet. Das Auswärtige Amt schweigt dazu, da wirtschaftliche Interessen und die bevorstehende Fußball-WM in Argentinien wichtiger erscheinen.
Vera DrebuschBirgit Weyhe verbrachte den Großteil ihrer Jugend in Ostafrika. Nach dem Abitur kehrte sie nach Europa zurück. Von 2002 bis 2008 studierte sie Illustration in Hamburg. Ihre erste Graphic Novel „Ich weiß“ erschien 2008. Weiterhin erschienen: „German Calendar No December“ (2018), „Madgermanes“ (2016), „Im Himmel ist Jahrmarkt“ (2013), „Reigen“ (2011). 2022 wurde sie als „beste deutschsprachige Comic-Künstlerin“ in Erlangen mit dem Max und Moritz-Preis ausgezeichnet. „Rude Girl“ wurde als erster Comic für den Preis der Leipziger Buchmesse 2023 in der Kategorie Sachbuch nominiert. www.birgit-weyhe.de
Simon Schwartz: Lagerfeld

Beginn: 20.30 Uhr
Karl Lagerfeld stilisierte sich selbst zum lebenden Logo und zu einem Mythos der Modewelt. Was aber steckt hinter dieser überlebensgroßen, charismatischen Figur, die trotz aller Kommunikationslust die eigene Lebensgeschichte geheim hielt? In dieser Graphic Novel kommt man dem Menschen Lagerfeld durch Simon Schwartz‘ kongeniale bildliche Umsetzung sehr nahe: dem frühreifen Jungen, der lieber auf dem Dachboden zeichnete, als mit Altersgenossen zu spielen; dem Sohn, der mit seinen Eltern stritt, aber nie von ihnen loskam; dem spitzzüngigen Konkurrenten von Yves Saint Laurent, den er am Ende überstrahlte; dem weltgewandten Genie in Paris, das mit preußischer Disziplin arbeitete; und dem Partner von Jacques de Bascher, der großen Liebe seines Lebens.
Paulina KnebelSimon Schwartz ist einer der bekanntesten deutschen Comic-Künstler. Er ist als Autor vielbeachteter und mit Preisen ausgezeichneter Graphic Novels hervorgetreten und zeichnet seit 2019 auch regelmäßig die Comicserie „Vita Obscura“ im F.A.Z.-Magazin, womit er nach Karl Lagerfelds Tod dessen „Karlikaturen“ ersetzte. Schwartz‘ Comic-Biografie basiert auf der 2020 erschienenen Lagerfeld-Biografie von Alfons Kaiser, der als Redakteur der F.A.Z das Ressort „Deutschland und die Welt“ leitet. www.simon-schwartz.com/
Buchvorstellung: „Wie geht es dir?

Beginn: 21.30 Uhr
Tobi Dahmen, Birgit Weyhe und Simon Schwartz haben an dem bemerkenswerten Band „Wie geht es dir?“ mitgewirkt. Unter dem Eindruck des Leids infolge des Überfalls der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und der nachfolgenden Angriffe des israelischen Militärs im Gazastreifen mit zehntausenden Toten herrschte auch bei uns Sprachlosigkeit und eine tiefe gesellschaftliche Spaltung. 48 Comic-Künstler und Künstlerinnen haben mit 60 Menschen gesprochen, die von Antisemitismus, Hass und Rassismus betroffen sind oder sich mit menschenfeindlichen Ideologien auseinandersetzen. Diese unterschiedlichen, berührenden aber auch ermutigenden Perspektiven wurden von ihnen zu Papier gebracht. Entstanden sind gezeichnete Dialoge gegen Sprachlosigkeit und Spaltung.
Tobi Dahmen, Birgit Weyhe und Simon Schwartz ergreifen die Gelegenheit, das Buch und ihren persönlichen Anteil daran kurz vorzustellen.
Wir danke unseren Förderern und Kooperationspartnern:
