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	<title>gebhardt &#8211; Literaturhaus Kassel</title>
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	<description>Veranstaltungen und Angebote</description>
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	<title>gebhardt &#8211; Literaturhaus Kassel</title>
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		<title>Einladung zur außerordentlichen Mitgliederversammlung am 14. April 2026, 18 Uhr.</title>
		<link>https://literaturhauskassel.de/einladung-zur-ausserordentlichen-mitgliederversammlung-am-14-april-2026-18-uhr/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[gebhardt]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Mar 2026 10:35:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Liebe Mitglieder des Vereins Literaturhaus Kassel, hiermit laden wir Sie zur außerordentlichen Mitgliederversammlung desLiteraturhauses Kassel e.V. am 14. 04. 2026 um 18.00 Uhr im Palais Bellevue, Schöne Aussicht 2, 34117 [&#8230;]]]></description>
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<p>Liebe Mitglieder des Vereins Literaturhaus Kassel,</p>



<p><strong>hiermit laden wir Sie zur außerordentlichen Mitgliederversammlung des<br>Literaturhauses Kassel e.V. am 14. 04. 2026 um 18.00 Uhr im Palais Bellevue, Schöne Aussicht 2, 34117 Kassel, ein.</strong></p>



<p>Einziger Tagesordnungspunkt:</p>



<p>Änderung unserer Satzung.<br>Der Hintergrund ist, dass das Finanzamt Kassel bei einer Prüfung unserer Gemeinnützigkeit zwei Formulierungen bemängelt hat, die nicht der Abgabenordnung entsprechen und geändert werden müssen.<br>Es handelt sich dabei um § 2,2, es muss heißen &#8222;Förderung von Kunst und Kultur…&#8220; und nicht &#8222;Förderung der Kultur auf dem Gebiet der Literatur.&#8220;</p>



<p>Und weiter um §7, Abs. 2, es muss heißen &#8222;gemeinnützige Zwecke…&#8220; und nicht &#8222;gemeinnützige kulturelle Zwecke…&#8220;</p>



<p>Die Texte beider Fassungen finden Sie zum Vergleich vollständig im Anhang.</p>



<p>Die neue Fassung muss von der Mitgliederversammlung beschlossen und baldmöglichst zunächst dem Vereinsregister vorgelegt werden.</p>



<p>Unsere ordentliche Mitgliederversammlung wird &#8211; wie üblich &#8211; gegen Jahresende stattfinden, da dann der finanzielle Jahresabschluss für 2025 vorliegt und beschlossen werden kann.</p>



<p>Mit herzlichen Grüßen</p>



<p>Der Vorstand</p>
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		<title>Ticketkauf jetzt online möglich</title>
		<link>https://literaturhauskassel.de/ticketkauf-jetzt-online-moeglich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[gebhardt]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Jan 2026 18:02:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Bezahlmöglichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Eintrittskarte]]></category>
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		<category><![CDATA[Ticket]]></category>
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					<description><![CDATA[Ab sofort können Sie Eintrittskarten für unsere Veranstaltungen online erwerben und zwar direkt auf der Seite der jeweiligen Ankündigung. Derzeit sind Zahlungen per Kreditkarte und Paypal möglich. Weitere Bezahlmöglichkeiten prüfen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Ab sofort können Sie Eintrittskarten für unsere Veranstaltungen online </strong>erwerben und zwar direkt auf der Seite der jeweiligen Ankündigung. Derzeit sind Zahlungen per Kreditkarte und Paypal möglich. Weitere Bezahlmöglichkeiten prüfen wir. Ihre Eintrittskarte(n) erhalten Sie per E-Mail und können sie sofort bequem selbst ausdrucken. </p>



<p>Darüber hinaus sind Bestellungen weiterhin per Mail möglich an &#116;ic&#107;e&#116;&#115;&#64;l&#105;&#116;&#101;&#114;a&#116;u&#114;ha&#117;s&#107;&#97;s&#115;el.d&#101; (bitte geben Sie im Betreff Veranstaltungsnamen und/oder Autor an &#8211; das erleichtert die Zuordnung). Sie erhalten eine automatische Bestätigung. Der Kartenverkauf über die Buchhandlung am Bebelplatz entfällt somit. </p>
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		<title>Einladung zur Mitgliederversammlung 2025</title>
		<link>https://literaturhauskassel.de/einladung-zur-mitgliederversammlung-2025/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[gebhardt]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Nov 2025 14:33:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Liebe Mitglieder des Vereins Literaturhaus Kassel, hiermit laden wir Sie zur ordentlichen Mitgliederversammlung desLiteraturhauses Kassel e.V. am 9. 12. 2025 um 19.00 Uhr im PalaisBellevue, Schöne Aussicht 2, 34117 Kassel, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Liebe Mitglieder des Vereins Literaturhaus Kassel,</p>



<p>hiermit laden wir Sie zur ordentlichen Mitgliederversammlung des<br>Literaturhauses Kassel e.V. am 9. 12. 2025 um 19.00 Uhr im Palais<br>Bellevue, Schöne Aussicht 2, 34117 Kassel, ein.<br>Anträge zur Tagesordnung müssen bis 02. 12. 2025 eingereicht werden.<br>Mit freundlichem Gruß: Der Vorstand.</p>



<p><strong>Tagesordnungspunkte:</strong><br>1. Begrüßung<br>2. Rechenschaftsbericht des Vorstands<br>3. Finanzbericht des Schatzmeisters<br>4. Bericht der Kassenprüfer<br>5. Aussprache über die Berichte<br>6. Entlastung des Vorstands<br>7. Planung für 2025<br>8. Anträge<br>9. Verschiedenes</p>
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		<title>Moderner Abenteuerroman</title>
		<link>https://literaturhauskassel.de/moderner-abenteuerroman/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[gebhardt]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Apr 2025 14:40:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kassel liest]]></category>
		<category><![CDATA[März-Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Märzverlag]]></category>
		<category><![CDATA[Monsieur Poubelle oder der Mülleimer der Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Pieter Waterdrinker]]></category>
		<category><![CDATA[Roman]]></category>
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					<description><![CDATA[Durchs wilde Europa: Pieter Waterdrinkers Roman „Monsieur Poubelle oder der Mülleimer der Geschichte“. Zu meinen herausragenden Lektüren dieses Frühjahrs zählt Pieter Waterdrinkers „Monsieur Poubelle oder der Mülleimer der Geschichte“. Der [&#8230;]]]></description>
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<figure class="wp-block-image alignleft size-medium is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="480" height="669" src="https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2025/04/Waterdrinker-1-480x669.jpg" alt="" class="wp-image-12540" style="width:397px;height:auto" srcset="https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2025/04/Waterdrinker-1-480x669.jpg 480w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2025/04/Waterdrinker-1-200x279.jpg 200w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2025/04/Waterdrinker-1-768x1070.jpg 768w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2025/04/Waterdrinker-1.jpg 800w" sizes="(max-width: 480px) 100vw, 480px" /></figure>



<p><strong>Durchs wilde Europa: Pieter Waterdrinkers Roman „Monsieur Poubelle oder der Mülleimer der Geschichte“</strong>.</p>



<p>Zu meinen herausragenden Lektüren dieses Frühjahrs zählt Pieter Waterdrinkers „Monsieur Poubelle oder der Mülleimer der Geschichte“. Der Autor ist hierzulande leider eher unbekannt. Nach „Tschaikowskystraße 40“ (auch sehr lesenswert) ist dies der zweite auf Deutsch erschienene Roman des Holländers. In Holland kam „Monsieur Poubelle“ 2016 heraus, also zwei Jahre nach der Annexion der Krim und sechs Jahre vor dem russischen Überfall auf die Ukraine. Waterdrinker – das sei vorausgeschickt – studierte russische Sprache und Literatur in Amsterdam, lebte von 1996 bis 2020 in St. Petersburg und berichtete aus Russland und der Ukraine für verschiedene niederländische Tageszeitungen.<br><br>Waterdrinker erzählt die haarsträubende Geschichte des Möchtegernschriftstellers Wessel Stols, der in Südfrankreich an seinem Romanprojekt „Biarritz“ kläglich scheitert und dann einen „Nonfiction-Roman“ über Eugène René Poubelle, den Erfinder des Mülleimers, schreiben will, der (natürlich) auch nicht gelingt. Es verschlägt ihn nach Moskau und von dort in die russische Provinz. Er verzockt sein Vermögen in der Dotcom-Blase, erfindet sich neu als Händler von Sowjetkunst, wird Abgeordneter des Europaparlaments und erlebt auf dem Maidan die orangene Revolution. Weitere Stationen: Paris, Brüssel, Amsterdam, Griechenland, die Krim, der Donbass, wo er auf bizarre Weise seinem Poubelle näher kommt als ihm lieb ist.<br><br>Zwielichte Gestalten bevölkern den Roman: schleimig-korrupte EU-Parlamentarier, russische Nutten, amerikanische Journalistinnen, kriminelle Banden und Warlords. Nicht zu vergessen seine große Liebe Friedl, die er sträflich vernachlässigt, bis sie ihn enttäuscht verlässt.<br>In Zeiten, wo der deutsche Dorfroman mit seinen kleinen Räumlichkeiten und verengten Blickwinkeln auf Privates Hochkonjunktur zu haben scheint, wirkt das Buch wie ein Rachenputzer mit Horizonterweiterung. Man merkt, dass Waterdrinker in Russland viel gesehen und erlebt hat. Er weiß, wovon er schreibt und breitet es fantasievoll aus. Im Grunde ist „Monsieur Poubelle“ ein moderner Abenteuerroman. Schnell, direkt, schnörkellos erzählt, voller Sex &amp; Crime und mit überraschenden Wendungen, dazu politisch und historisch aufschlussreich, spannend und auch noch überaus witzig. Eine schöne literarische Entdeckung!<br><br>Andreas Gebhardt</p>



<p><strong>Pieter Waterdrinker: „Monsieur Poubelle oder der Mülleimer der Geschichte“. März-Verlag 2024, 553 Seiten, 28 Euro.</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zwischen allen Stühlen</title>
		<link>https://literaturhauskassel.de/zwischen-allen-stuehlen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[gebhardt]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Jan 2025 15:14:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kassel liest]]></category>
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					<description><![CDATA[Die weibliche Seite der Stasi: Clemens Böckmanns Roman über "IM Anna".]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Formatvorlage1"><img decoding="async" class=" wp-image-12292 alignleft" src="https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2025/01/IMG_20250110_135545944.jpg" alt="" width="469" height="525" srcset="https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2025/01/IMG_20250110_135545944.jpg 800w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2025/01/IMG_20250110_135545944-480x538.jpg 480w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2025/01/IMG_20250110_135545944-200x224.jpg 200w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2025/01/IMG_20250110_135545944-768x860.jpg 768w" sizes="(max-width: 469px) 100vw, 469px" />Stasi – wer denkt da nicht an „Das Leben der Anderen“, also an grimmig dreinschauende graue Männer in grauen Mänteln oder Windjacken? Die Staatssicherheit war grau, trostlos, abgrundtief böse und durch und durch männlich. Von den rund 173.000 „Informellen Mitarbeitern“ (1988/89) waren 10 bis 15 Prozent Frauen, wobei diese nur selten an der vordersten Front eingesetzt wurden und kaum mit dem Machtapparat assoziiert werden.</p>
<p class="Formatvorlage1">Nun wirft Clemens Böckmann in seinem starken Debüt „Was du kriegen kannst“ beispielhaft ein Schlaglicht auf die weibliche Seite der Stasi, auf IM „Anna“, im Zivilleben Uta. Die attraktive, alleinstehende junge Frau und Mutter einer Tochter wird 1971 von dem Geheimdienst angeworben und auf Geschäftsmänner aus dem Westen angesetzt, die die Leipziger Messe besuchen. Man freundet sich an, tauscht sich aus, feiert, trinkt, geht ins Bett. Das Leben konnte &#8211; unter gewissen Umständen &#8211; auch in der DDR bunt sein. IM „Anna“ fertigt Berichte an, ist Stasi-Frau und Sexarbeiterin zugleich, genießt das Leben in vollen Zügen, findet Anerkennung, wird mit Devisen, Schmuck und teuren Kleidern reich beschenkt. Sie nimmt alles, was sie kriegen kann, was in einem Staat, in dem es wenig gibt, sehr viel ist. Allmählich gerät ihr Privatleben aus den Fugen, der Alkohol gibt ihr den Rest. Da sie keinen untadeligen Lebenswandel im Sinne des Sozialismus führt und irgendwann aufhören will, wird sie von der Stasi selbst ins Visier genommen. Der so verlogene wie paranoide Überwachungsapparat, war unerbittlich, zeigte Zähne, fraß manche seiner Kinder und spuckte sie als seelische Wracks wieder aus.</p>
<p class="Formatvorlage1">Sehr klug montiert Böckmann all das zu einer multiperspektivischen Collage, in der sich Stimmen und Ebenen bisweilen zu vermischen scheinen. So erzählt Uta ihre Geschichte im Rückblick auf ihr Leben ebenso wie der Ich-Erzähler, der Uta in der Gegenwart trifft, sie befragt und mit ihr frühere Schauplätze aufsucht. Eine neutrale Instanz fügt Historisches und Biografisches distanziert hinzu. Zuletzt wird noch aus den sperrigen, teilweise geschwärzten Stasi-Akten zitiert. Welcher Sichtweise ist zu trauen?</p>
<p class="Formatvorlage1">Roman oder doch eher Doku-Fiction? Das scheint nebensächlich. Jedenfalls ist Böckmann das aufwühlende Porträt einer Frau gelungen, die erst Täterin war und schließlich Opfer wurde. „Was du kriegen kannst“ ist eine ebenso anspruchsvolle wie erhellende Lektüre, die eine weitere Facette der DDR-Diktatur aufzeigt. Ob Böckmanns Debüt für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert wird? &#8222;Was du kriegen kannst&#8220; hätte es verdient.<br /><em>Andreas Gebhardt</em></p>
<p class="Formatvorlage1"><strong>Clemens Böckmann: „Was du kriegen kannst“. Hanser-Verlag 2024, 413 Seiten, 24 Euro.</strong></p>


<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Lob des Landlebens</title>
		<link>https://literaturhauskassel.de/lob-des-landlebens/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[gebhardt]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Jul 2024 13:42:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kassel liest]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein wilder Ritt: Mathias Enards Roman „Das Jahresbankett der Totengräber“.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="Formatvorlage1"><img decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-11761" src="https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/07/ENARD-scaled-e1721828335683-480x573.jpg" alt="" width="480" height="573" srcset="https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/07/ENARD-scaled-e1721828335683-480x573.jpg 480w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/07/ENARD-scaled-e1721828335683-980x1169.jpg 980w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/07/ENARD-scaled-e1721828335683-200x239.jpg 200w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/07/ENARD-scaled-e1721828335683-768x916.jpg 768w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/07/ENARD-scaled-e1721828335683-1288x1536.jpg 1288w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/07/ENARD-scaled-e1721828335683-1717x2048.jpg 1717w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/07/ENARD-scaled-e1721828335683.jpg 1809w" sizes="(max-width: 480px) 100vw, 480px" /></p>
<p class="Formatvorlage1"><strong>Ein wilder Ritt: Mathias Enards Roman „Das Jahresbankett der Totengräber“.</strong></p>
<p class="Formatvorlage1">Ein Anthropologe entdeckt die Provinz. Mit diesem schnöden Satz ließe sich Mathias Enards Roman „Das Jahresbankett der Totengräber“ schnöde zusammenfassen. Aber was für ein Reichtum, welch opulent-barocke Lust am Erzählen und fabulieren steckt dahinter. „Ich habe beschlossen, diesen Ort <i>Das Wilde Denken</i> zu nennen, was sonst?“ So geht’s los und nichts anderes ist dieses Buch, ein einziger wilder Ritt, durch Raum, Zeit, Landschaft, Natur, Literatur, Geschichte, Kochkunst, Musik und – nicht zuletzt – kleinen sexuellen Abschweifungen.</p>
<p class="Formatvorlage1">Komische Typen begegnen dem jungen Pariser Forscher David Mazon im Marais Poitevin, einem Landstrich, der sich nordöstlich von La Rochelle bis nach Niort erstreckt. Er will seine Doktorarbeit über das Leben in der Provinz schreiben, führt Interviews mit den exotischen Dörflern, denen er zunächst mit einer Mischung aus großstätischer Überheblichkeit, Ironie und distanziertem Staunen begegnet. Er sammelt, beobachtet, lässt sich immer mehr ein auf diese ihm bis dahin verschlossene Welt. Zunehmend scheint ihm sein Ziel zu entgleiten. Er schreibt keine wissenschaftliche Abhandlung, das wäre zu langweilig, sondern notiert seine treffenden Beobachtungen und Notizen zunächst im Tagebuch. Dieses rahmt den sehr langen Mittelteil, in denen die weit verzweigten Geschichten der anfangs skizzierten Figuren erzählt werden, die durch Seelenwanderung mit der Geschichte der Region, mit Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit untrennbar verwoben sind, „denn das Schicksal, wo alles miteinander verbunden ist (…) kennt keine Zeit“. Seelenwanderung? Jawohl. Und so gibt es überhaupt keinen Zweifel daran, dass etwa der Abbé Largeau nach seinem Ableben als Wildschwein wiedergeboren wird, denn hier kann er endlich die Sau rauslassen, wonach er sich in seinem vorigen Leben so lange gesehnt hat.</p>
<p class="Formatvorlage1">Mit diesem überwältigend schlüssigen Kunstgriff setzt Enard, der 1972 in Niort, also am östlichen Rand des Marais Poitevin, geboren wurde, seiner Heimat ein monumentales Denkmal. Das Wilde Denken wirft Erzählkonventionen witzig über den Haufen, indem es mit Fantasie gepaarte präzise Schilderung von Land und Leuten zum alleinigen Maßstab des Erzählens macht. Im Mittepunkt, das sei noch erwähnt, steht das titelgebende ausschweifende Jahresbankett der Totengräber, eine einzige überbordende Fress- und Sauforgie, in der die Grableger wortgewandt, streitend, lustvoll und voller Gelächter dem Leben huldigen. Wie es auch Enard mit diesem umwerfenden Buch tut, das höchstes Lesevergnügen garantiert.<br />Andreas Gebhardt</p>
<p class="Formatvorlage1"><strong>Mathias Enard: das Jahresbankett der Totengräber. 480 Seiten, Hanser Berlin 2021 (geb. 26 €), Piper 2022 (TB, 15 €).</strong></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Demokratie der Zuneigung</title>
		<link>https://literaturhauskassel.de/demokratie-der-zuneigung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[gebhardt]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Apr 2024 15:09:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kassel liest]]></category>
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					<description><![CDATA[Roswitha Rüschendorf empfiehlt: "Die zerrissene Gesellschaft. So überwinden wir gesellschaftliche Spaltung im neuen Krisenzeitalter" von Claudine Nierth und Roman Huber. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft  wp-image-11596" src="https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/04/Rueschendorf-Zerrissene-Gesellschaft-480x640.jpg" alt="" width="400" height="533" srcset="https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/04/Rueschendorf-Zerrissene-Gesellschaft-scaled-480x640.jpg 480w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/04/Rueschendorf-Zerrissene-Gesellschaft-980x1307.jpg 980w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/04/Rueschendorf-Zerrissene-Gesellschaft-200x267.jpg 200w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/04/Rueschendorf-Zerrissene-Gesellschaft-768x1024.jpg 768w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/04/Rueschendorf-Zerrissene-Gesellschaft-1152x1536.jpg 1152w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/04/Rueschendorf-Zerrissene-Gesellschaft-1536x2048.jpg 1536w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/04/Rueschendorf-Zerrissene-Gesellschaft-scaled.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /><strong>Roswitha Rüschendorf empfiehlt: &#8222;Die zerrissene Gesellschaft&#8220; von Claudine Nierth und Roman Huber.</strong></p>
<p>Angesichts der gegenwärtigen gesellschaftlichen und politischen Krisen haben die beiden „Politaktivisten“ Claudine Nierth und Roman Huber Bilanz ihrer jahrzehntelangen hauptamtlichen Arbeit in der zivilgesellschaftlichen Organisation Mehr Demokratie e. V. gezogen. Ihr Fazit ist ernüchternd: Die politische und gesellschaftliche Unfähigkeit, Krisen und Konflikte nachhaltig zu lösen, ist alltäglich erfahrbar, und die Hindernisse, sie zu überwinden, scheinbar unüberwindbar. Parlamentarische Abläufe und Entscheidungen, aber auch Mitwirkungsangebote und direkte Einflussnahmen der Bürgerinnen und Bürger auf die politischen Entscheidungen, z.B. über Bürgerbegehren und -entscheide, haben die gegenwärtigen Entwicklungen mit beobachtbaren gesellschaftlichen Spaltungen, zunehmendem Rechtspopulismus und Vertrauensverlust in unser Rechts- und Staatssystem nicht verhindern können. Begleitet werden sie von Ohnmachtsgefühlen und Ängsten. <br />Es bedürfe, so die Autoren, erweiterter Ziele, Ansätze und neuartiger Zugänge. Dabei richten sie den Blick auf die Prozesse, die zu politischen, aber auch persönlichen Entscheidungen führen. „Die Qualität einer Entscheidung (hängt) von der Qualität des Prozesses ab, der zur Entscheidung führt“, so deren Grundüberzeugung. Gegenwärtig fänden Entscheidungsprozesse zu wenig (oder sogar keine?) Beachtung. Entsprechend sind sie von mangelnder Qualität. Dass dem so ist, wird als ein strukturell bedingtes und historisch eingeübtes Problem analysiert.</p>
<p>Ihr Appell: „Wir brauchen eine Demokratie der Zuneigung.“, ja, ein „neues Paradigma“. Dafür benötigten Politik und Gesellschaft mehr „soziale Fähigkeiten“ und „mehr Psychologie“ und ein „fühlendes Denken“ in der Gesellschaft und Politik.</p>
<p>Worauf basieren ihre Forderungen und Hoffnungen? Ausgehend von ihren Erfahrungen und zahlreichen Gesprächen bauen sie ihre Argumente auf vier Prämissen auf: <br />1. „Der Mensch (ist) im Grunde gut, willens und in der Lage, sich zu verändern.“ <br />2. „Alle Menschen brauchen eine Grundstabilität.“ <br />3. Wir stecken alle in einem „Labyrinth der Schatten der Vergangenheit“. <br />4. Viele Verhaltensmuster, Probleme, Eigenschaften etc. beruhen auf unbewusste und emotional wirkende „Wunden aus der Vergangenheit“, kurz kollektiver oder persönlicher Traumata, insbesondere „Entwicklungs- bzw. Bindungstraumata“.</p>
<p>Um Schatten und Trauma zu überwinden, plädieren Nierth und Huber für den Erwerb von persönlichen, inneren und gesellschaftlichen „Kulturkompetenzen“, mit denen rationales Denken um emotionale und Traumazuwendung erweitert wird. Dahinter steht die Überzeugung: Der bewusste und professionelle Umgang mit (kollektiven) Traumata wird die Demokratie stärken und die gesellschaftliche Polarisierung überwinden. Ihre Überlegungen beziehen sich auf zahlreiche sozialwissenschaftliche und psychologische Untersuchungs- und Forschungsergebnisse, die sie mit ihren Erfahrungen verbinden. In den letzten drei Kapiteln werden Voraussetzungen, Methoden und Formate vorgestellt, die beim Erwerb der inneren und gesellschaftlichen Kompetenzen hilfreich sind.</p>
<p>Fazit: Der Lösungsansatz der Autoren scheint einfach. Seine Umsetzung beinhaltet jedoch radikale Veränderungen alltäglicher Gewohnheiten und Konventionen. Sie würden letztendlich zu einem Paradigmenwechsel der politischen Diskussionen und parlamentarischen Entscheidungswege sowie des zivilgesellschaftlichen Miteinanders führen. Es liegt ein Buch vor, welches gelesen, beachtet und möglichst interdisziplinär diskutiert werden sollte. Ein „Plädoyer für die Hoffnung und die Perspektive, dass jeder von uns Einfluss auf eine friedlichere, die Umwelt schützende und erhaltende Welt hat.“ Ob der Ansatz mehr als eine Utopie sein kann, kann nur die Praxis erweisen. Angesichts der vielfältigen Probleme wäre es einen Versuch aller wert.</p>
<p><strong>Claudine Nierth/Roman Huber: Die zerrissene Gesellschaft. So überwinden wir gesellschaftliche Spaltung im neuen Krisenzeitalter. Goldmann Verlag München 2023. 271 S., 18 EUR.</strong></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Multiple Krisen</title>
		<link>https://literaturhauskassel.de/multiple-krisen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[gebhardt]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Jan 2024 20:55:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kassel liest]]></category>
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					<description><![CDATA[Stefan Lamby: „Ernstfall. Regieren in Zeiten des Krieges“.]]></description>
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<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft  wp-image-11368" src="https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/01/Lamby-480x640.jpg" alt="" width="400" height="534" srcset="https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/01/Lamby-scaled-480x640.jpg 480w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/01/Lamby-980x1307.jpg 980w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/01/Lamby-200x267.jpg 200w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/01/Lamby-768x1024.jpg 768w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/01/Lamby-1152x1536.jpg 1152w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/01/Lamby-1536x2048.jpg 1536w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/01/Lamby-scaled.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Stefan Lamby: „Ernstfall. Regieren in Zeiten des Krieges“.</strong></p>
<p>Politik im Trial-and-Error-Modus: Das neue Buch des Journalisten, Autors und Produzenten Stefan Lamby ist eine brillante Lektion in jüngster Zeitgeschichte. Bei der Lektüre wird einem schnell klar: Sie tun einem nicht leid, aber man möchte auch mit keinem tauschen, weder mit Olaf Scholz, noch mit Lindner, Baerbock oder Habeck.</p>
<p>Mit einem Selfie hatte alles angefangen: Außenministerin Annalena Baerbock, Wirtschaftsminister Robert Habeck, Finanzminister Christian Lindner und Verkehrsminister Volker Wissing posteten ein Selfie. Es bedeutete: Wir stehen zusammen, wir sind der Neuanfang, pflegen einen anderen Politikstil, wir verkörpern die Zukunft. Wenige Monate später war der Elan gänzlich verflogen und der Katzenjammer begann, der bis heute anhält. Putins Truppen überrollten die Ukraine – richtig deuten wollte oder konnte die Zeichen keiner &#8211; und plötzlich war alles anders.</p>
<p>Seitdem zerlegt sich die Koalition aus SPD, Grünen und FDP gegenseitig. Ihre Repräsentanten werfen permanent eigene Überzeugungen über Bord, treffen unliebsame, bisweilen einsame Entscheidungen, die nicht nur die eigene Klientel vergraulen, sondern Widerstände auf breiter Front hervorrufen. Energiekriese, Gasnotstand, Gasumlage, Heizungsgesetz. Sollen Atom- und Braunkohlekraftwerke weiterbetrieben werden, sollen LNG-Terminals gebaut werden, wenn ja, muss es schnell gehen, sehr schnell, notfalls in Naturschutzgebieten. Und dann die Frage nach den Waffenlieferungen an die Ukraine: erst vehementes Nein, dann mal sehen, dann immer mehr. Scholz, Habeck, Baerbock im Dauerstress, Krisendiplomatie am Limit, Kratzbuckeleien und zermürbende Verhandlungen mit Despoten in China, Afrika, Indien. Zänkereien, Durchstechereien, persönliche Angriffe, Niederlagen, Zaudern, Zugzwänge, Entscheidungsschwäche, Umfragewerte im Tiefflug, Gefahr von rechts, Klimaaktivisten von links. Multiple Krisen: Krieg, Klimawandel, Hunger in der Welt.</p>
<p>Lamby hat die Akteure über Monate auf Pressereisen rund um die Welt begleitet, viele Interviews geführt und er zeichnet anschaulich das Bild einer Regierung im Dauernotstand: zerstritten, hilflos, resignierend. Es ist kein Debattenbuch, sondern eine chronologische, erstaunlich nüchterne Bestandsaufnahme der inneren Dynamiken einer Koalition, die aneinandergekettet ist, aber auch nicht miteinander kann. Man liest diesen Blick hinter die Kulissen nicht nur mit Gewinn, sondern auch mit Spannung. Parallel dazu hat Lamby die sehenswerte, dreiteilige und gleichnamige Dokumentation gedreht, die weiterhin in der ARD-Mediathek zu finden ist.<br /><br />Andreas Gebhardt</p>
<p><strong>Stefan Lamby: Ernstfall. Regieren in Zeiten des Krieges. Ein Report aus dem Inneren der Macht. Verlag C.H. Beck, 400 S. 26,90 Euro</strong></p>
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		<title>Wir sind Lars</title>
		<link>https://literaturhauskassel.de/wir-sind-lars/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[gebhardt]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jan 2024 12:17:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kassel liest]]></category>
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					<description><![CDATA[Nele Pollatscheks feinsinniger Roman „Kleine Probleme“ – empfohlen von Andreas Gebhardt. ]]></description>
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<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft  wp-image-11318" src="https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/01/Pollatschek-480x640.jpg" alt="" width="400" height="533" srcset="https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/01/Pollatschek-scaled-480x640.jpg 480w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/01/Pollatschek-980x1307.jpg 980w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/01/Pollatschek-200x267.jpg 200w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/01/Pollatschek-768x1024.jpg 768w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/01/Pollatschek-1152x1536.jpg 1152w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/01/Pollatschek-1536x2048.jpg 1536w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2024/01/Pollatschek-scaled.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Nele Pollatscheks feinsinniger Roman „Kleine Probleme“ – empfohlen von Andreas Gebhardt. </strong></p>
<p>Nennt mich Lars! Lars ist der Taugenichts des 21. Jahrhunderts. Lars kriegt nichts auf die Reihe, Lars ist der Totalversager, der vieles will und nichts schafft. Zum Beispiel will er das beste Buch der Welt schreiben. Darunter macht er’s nicht und genau deshalb schafft er’s nicht. Auch das Allerkleinste ist ihm zu riesig, zum Beispiel seinen Vater anzurufen oder aufzuräumen. Lars ist Nele Pollatscheks Antiheld in ihrem Roman „Kleine Probleme“.</p>
<p>Es ist der 31. Dezember. In wenigen Stunden kehren Frau und Kind zurück. Beide haben es nicht mehr ausgehalten und sind vor Wochen vor ihm geflüchtet. Ich-Erzähler Lars ist in ein tiefes Loch gefallen und muss sich aus dem Messie-Chaos seiner Wohnung herausgraben und zusehen, dass Gattin und Kind nicht gleich wieder flüchten. Aber wo und wie anfangen? Und mit dem Aufräumen ist es ja nicht getan. Er muss z. B. auch noch ein Bett für seine Tochter zusammenbauen, die Steuererklärung erledigen, die Regenrinne reinigen und einen Nudelsalat bereiten. Er verheddert sich hoffnungslos in allem. Dieses groteske Scheitern an den Dingen und den selbst herbeigeführten Umständen ist urkomisch – aber Lars ist als Totalversager auch ein Ritter von der traurigen Gestalt, der gegen die enormen Windmühlen in seinem Kopf hilflos anrennt. Also zündet er sich zur Entspannung lieber erstmal eine Zigarette an, atmet den Rauch tief ein, und schiebt den Kampf mit der Realität ein weiteres Mal auf. Lars ist ein Konzeptkünstler des Lebens, das meiste scheint er vor allem heroisch in Gedanken zu erledigen.</p>
<p>Pollatschek schildert einen Typen, der in uns allen steckt. Vor dem Schreiben eines Exposees nochmal schnell einen Kaffee kochen, vor dem putzen erstmal die Zeitung lesen – wer kennt das nicht?</p>
<p>Lars schreibt, reflektiert, analysiert, schildert mit erbarmungslosem Hang zur Selbstbeobachtung sein Tun bzw. Nichtstun in allen tragischen Details. Dabei ist ganz nebenbei zwar nicht gleich „das beste Buch der Welt“ entstanden, aber doch ein sehr sehr gutes. Dafür wird Nele Pollatschek in Kassel am 10. März 2024 mit dem Förderpreis Komische Literatur der Stiftung Brückner-Kühner ausgezeichnet. Das ist eine gute Wahl, die keinen Aufschub duldet.</p>
<p><strong>Nele Pollatschek: Kleine Probleme. Galiani Berlin, 200 Seiten, 23 Euro.</strong></p>
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		<title>Dimensionen eines &#8222;kulturellen Bürgerkriegs&#8220;</title>
		<link>https://literaturhauskassel.de/dimensionen-eines-kulturellen-buergerkriegs/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[gebhardt]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Nov 2023 17:16:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kassel liest]]></category>
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					<description><![CDATA[Daniele Del'Agli über "Der alte weiße Mann" von Norbert Bolz. ]]></description>
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<p><strong>Daniele Dell&#8217;Agli über &#8222;Der alte weiße Mann&#8220; von Norbert Bolz. </strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-11011" src="https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2023/11/Bolz-480x640.jpg" alt="" width="480" height="640" srcset="https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2023/11/Bolz-scaled-480x640.jpg 480w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2023/11/Bolz-980x1307.jpg 980w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2023/11/Bolz-200x267.jpg 200w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2023/11/Bolz-768x1024.jpg 768w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2023/11/Bolz-1152x1536.jpg 1152w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2023/11/Bolz-1536x2048.jpg 1536w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2023/11/Bolz-scaled-320x427.jpg 320w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2023/11/Bolz-scaled-214x285.jpg 214w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2023/11/Bolz-scaled-160x213.jpg 160w, https://literaturhauskassel.de/wp-content/uploads/2023/11/Bolz-scaled.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px" />Zum 80. Geburtstag von Volker Schlöndorff brachte die Berliner Zeitung ein längeres Interview mit dem weltweit anerkannten deutschen Regisseur. Der Titel: „Es ist nicht angenehm, als alter weißer Mann bezeichnet zu werden.“ Mit diesem Unbehagen steht Schlöndorff nicht allein da. Praktisch jeder Leistungsträger in Kunst und Kultur, Wissenschaft und Politik, der ein bestimmtes Alter und eine gewisse Prominenz erreicht hat und unverkennbar männlichen Geschlechts ist, muss heutzutage damit rechnen, von einer sich als <em>woke</em> gerierenden linken Sekte am virtuellen Pranger der asozialen Medien als „alter weißer Mann“ aufgespießt zu werden. Was das genau bedeutet und wie es dazu kommen konnte, analysiert der bekannte Medienwissenschaftler und Kulturphilosoph Norbert Bolz in seinem jüngsten Buch.</p>
<p>Gleich in der Vorbemerkung lässt der Autor keinen Zweifel daran, dass sein Buch von einem „kulturellen Bürgerkrieg“ handelt und dass dieser starke Begriff alles andere als eine Übertreibung darstellt. Denn eine kleine, lautstarke und gut vernetzte Minderheit hat es geschafft, die zentralen Ideologeme von Wokeness, Cancel Culture und Gendermainstreaming, die von der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt werden, in den Medien, den Bildungsanstalten und weiten Teilen der Politik durchzusetzen. Das von den politisch korrekten Kulturrevolutionären dabei immer wieder bemühte Narrativ ist die Idee eines Sündenbocks, der an allen Übeln dieser Welt, an Naturzerstörung und Klimawandel, Armut und soziale Ungerechtigkeit, Rassismus, Kolonialismus und Sexismus schuld sein soll: der alte weiße Mann. Ihm soll es an den Kragen gehen, er muss weg. Wie diese ebenso wahnhafte wie unterkomplexe Weltsicht mit äußerster Aggressivität alle Domänen des kulturellen Lebens erobern und vergiften konnte, wird im Folgenden von Bolz akribisch rekonstruiert, wobei er sich nicht mit der kritischen Bestandsaufnahme eines Syndroms begnügt, sondern weit ausholend in der jüngeren Geschichte die Genese des heute triumphierenden Unwesens erläutert.</p>
<p>In drei großen Kapiteln untersucht er die Feindbilder der woken Jakobiner: wofür stehen eigentlich „alt“, weiß“ und „männlich“? Die Antwort in Kurzfassung: „Alt steht für Tradition, Erfahrung, Reife, Konservativismus, Bürgerlichkeit und Normalität.“ „Weiß steht für Aufklärung, europäische Rationalität, moderne Technik, rationalen Kapitalismus und den Universalismus der Menschenrechte.“ Und „männlich steht für  Naturbeherrschung, Selbstbehauptung, Heldentum, Freiheitsdrang, Wettkampf, Stolz, Risikobereitschaft, Mut zur Selbständigkeit, Individualität, Exzellenz.“</p>
<p>Mit großer Gelehrsamkeit schlüsselt der Autor diese Begriffe historisch auf, um verständlich zu machen, warum sie ebenso pauschal wie argumentfrei von militanten Zeitgenossen bekämpft werden, denen nicht einmal auffällt, dass sie dabei den Ast absägen, auf dem sie sitzen. Denn nichts mutet absurder an als die von ihnen – mal antirassistisch, mal postkolonial oder radikalfeministisch instrumentierten – Tribunalisierungskampagnen, wenn man bedenkt, dass es just die „alten weißen Männer“, also auch die längst verstorbenen  Philosophen, Wissenschaftler, Künstler und Politiker sind, denen die gegenwärtige Gesellschaft, der krakeelende Mob inbegriffen, alles verdankt, was sie auszeichnet und wofür sie außerhalb Europas und Nordamerikas auf der ganzen Welt bewundert und beneidet wird.</p>
<p>Gelegentlich schießt der Autor bei der Verteidigung der angegriffenen Werte und Institutionen hinaus, wenn er etwa die bürgerliche Familie als Hort der Freiheit und Inbegriff des Nonkonformismus preist oder gar dem Kapitalismus attestiert, sein universalisiertes Profitstreben habe für mehr Gleichheit auf der Welt gesorgt. Diese trotzigen Lobeshymnen bleiben allerdings marginal und schmälern nicht das Verdienst dieses brillant und verständlich geschriebenen Buches, das mit Scharfsinn eine der großen Sozialpathologien unserer Zeit seziert und die bislang fundiertesten Erklärungen ihrer Entstehung liefert.</p>
<p><strong>Norbert Bolz, Der alte weiße Mann. Sündenbock der Nation. Langen Müller Verlag München, 221 Seiten, 24 Euro</strong></p>
<p> </p>
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